Drei zentrale Fragen menschlicher Existenz wurden – etwa von Franz Kardinal König – und werden so formuliert: "Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Welchen Sinn hat mein Leben?" Durchaus unterschiedliche Antworten sind durch die verschiedenen Religionen bzw. Weltanschauungen gegeben worden. Könnte es sein, dass diese Fragen vielleicht wichtiger sind und bleiben als vermeintlich „endgültige“ Antworten?
Die „Diözesane Kontaktstelle für Weltanschauungen, Sekten und religiöse Sondergemeinschaften“ ist eine Einrichtung der Katholischen Kirche in diesem Kontext.
Unsere Arbeit verbindet uns mit anderen staatlichen und kirchlichen Stellen und Privatinitiativen. Ebenso pflegen wir Kontakte zu kirchlichen Stellen im benachbarten Ausland.
Unser Service umfasst:
- Orientierung in der Vielfalt religiöser Bewegungen und weltanschaulicher Strömungen
- christliches Bildungsangebot, das zum eigenen Glauben ermutig
- persönliche Beratung und Hilfe für alle, die eine belastende Erfahrung mit problematischen Gemeinschaften machen
| Was ist eine Sekte? |
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Das lateinische Wort „secta“ bedeutet „Partei“ und benennt eine Gemeinschaft, die sich zu einer bestimmten Überzeugung verpflichtet. Diese kann im Gegensatz zur allgemeinen Überzeugung oder zu anderen Meinungen stehen. Das Wort Sekte leitet sich vom lateinischen Verb „sequi“ - (nach-)folgen - ab. Grundsätzlich wertfrei, wird der Begriff heute meist als Problemanzeige verwendet.
Die einschlägige Fachliteratur definiert eine Sekte mit folgenden Merkmalen:
- die Geschlossenheit einer Gemeinschaft, klare Grenzen zwischen Anhängern und Außenstehenden, eine normierte Lebenspraxis im Inneren;
- abseitige und kulturell fremde Ideen, die als nicht vermittelbare Glaubenswelten und Lebensorientierungen fanatisch vertreten werden;
- Konflikte mit der Umwelt, vor allem persönliche Konflikte mit Angehörigen von Mitgliedern und fallweise juristische Konflikte mit Behörden;
- Abhängigkeit der Mitglieder von einer charismatischen Führungsfigur bzw. von einer Hierarchie, die Lehre und Praxis autoritär bestimmen.
Charakteristisch sind folgende Merkmale
- Wirklichkeit in Schwarz-Weiß
(vereinfachende, dualistische Weltsicht: nur gut oder böse, Freund oder Feind, wahr oder unwahr; Relativierungen und Mittelpositionen sind nicht möglich.)
- Radikalisierung und extremes Feindbild
(Kritik ist nicht gestattet, Fehlverhalten wird streng bestraft, der „Wahrheit“ wird mit extremen Mitteln zum Durchbruch verholfen; es kommt zu Verschwörungstheorien und Verfolgungsängsten.)
- Universale Problemlösung
(Gruppe gibt vor, alle persönlichen und globalen Probleme lösen zu können; nach außen hin wird eine tolerant klingende „Wahrheit“ verkündet.)
- Übersteigerte Autoritätshörigkeit
(an der Spitze steht eine Führerfigur, Entscheidungen und Verantwortung gehen ausschließlich von ihr aus.)
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| Abhängigkeiten |
| Durch häufige Treffen und ständige Betreuung entsteht eine starke innere Abhängigkeit gegenüber der Gruppe bei gleichzeitigen Vernachlässigung oder Aufgabe aller bisherigen Kontakte; außerdem führen Behauptungen, die Mitglieder seien für das Heil ihrer Familie und das Heil anderer verantwortlich, zu psychischem Druck. |
| Was tun, wenn Religiosität zum Problem wird? |
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Die religiöse Vielfalt kann verwirren. Der Kontakt oder gar Beitritt zu einer „Sekte“ oder einer neuen religiösen Bewegung überrascht, verwirrt und schockiert Angehörige und Freunde. Es gab kaum Anzeichen, die auf einen derartigen Schritt hingedeutet hätten. Dadurch entsteht Angst um die Zukunft des Betreffenden. Verschiedene Fragen tauchen auf:
Wird die Beziehung daran zerbrechen? Mit wem kann ich darüber reden? Was sagen die andern dazu? Was habe ich falsch gemacht?
In dieser Situation ist richtiges Verhalten gefragt.
- Bleiben Sie mit dem Betreffenden auf jeden Fall in Kontakt.
- Verurteilen Sie ihn nicht, sondern begegnen Sie ihm mit Respekt.
- Stehen Sie aber auch ehrlich zu Ihrer Überzeugung und spielen Sie keine Übereinstimmung vor, wo keine ist.
- Informieren Sie sich so rasch als möglich über die Gruppierung.
Keine Panik! Der Kontakt zu einer derartigen Gruppe muss nicht zwangsläufig eine Katastrophe im Leben der Betroffenen bedeuten.
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